Fröhliche Truppe sucht Verstärkung - Artikel OZ

Wilhelm Baumunk gibt Sängern den Ton an. Der Süderholzer Tanzkreis besteht seit zwölf Jahren.

Wilhelm Baumunk (Mitte) gibt den Ton an, wenn die Mitglieder des Süderholzer Tanzkreises ihre Lieder singen. Der Verein besteht seit zwölf Jahren. Foto: Christine Drabsch

Kandelin - Er ist der Senior im Tanzkreis Süderholz - und immer der Erste bei den Proben. Und er ist unverzichtbar. Denn der 77-jährige Wilhelm Baumunk begleitet die Mitglieder am Akkordeon, wenn sie bei ihren Auftritten Volkslieder oder plattdeutsche Lieder singen. Getanzt wird inzwischen meist schon zur Musik, die der CD-Player abspielt.

Wilhelm Baumunk gehört seit gut acht Jahren dem Verein an, als Nachfolger für Brunhilde Urbrock, die ebenfalls das Akkordeon spielte. Er kennt viele der 23 Mitglieder des Süderholzer Tanzkreises schon von Früher. Aus
Neuendorf, wo er einst als Traktorist gearbeitet und aus Kandelin, wo er gelebt hat. Eigentlich stammt Wilhelm Baumunk von Hinterpommern, kam nach dem Zweiten Weltkrieg zuerst nach Zudar auf der Insel Rügen. „Ich habe als Kind schon immer gern Musik gemacht, das Talent habe ich wohl von meinem Vater geerbt“, sagt er. Doch in seiner Jugendzeit seien seine Hände auf dem Hof gebraucht worden, sodass er keine Musikschule besuchen konnte. „So habe ich mir alles selbst beigebracht, ich kenne bis heute noch keine Noten und spiele nach Gehör“, berichtet er. Das Ergebnis seines Fleißes muss wohl ganz gut gewesen sein, denn er durfte sogar bei seinem Lehrer auf dessen Silberhochzeit spielen. Erst später konnte er sich ein schönes Akkordeon anschaffen, ein „Hohner". „Ich hatte vorher ein einfaches Weltmeister“, erzählt er. Jetzt steht in seinem Wohnzimmer außerdem ein Keyboard, auf dem er öfter spielt. Er gehe gern zum Tanzkreis, versichert Wilhelm Baumunk. „Das macht mir Freude, und ich habe eine Aufgabe. Ich will solange dabei bleiben, wie es gesundheitlich geht.“ Das wird die anderen 22 Tanzkreis-Mitglieder, darunter zehn Männer, freuen und auch beruhigen.

Zwölf Jahre ist es jetzt her, dass sich drei Paare der Idee von Marianne Bahls anschlossen, alte Tänze wieder aufleben zu lassen und damit den Kandeliner Tanzkreis gründeten. Es ging ihnen damals um den „Eldenaer Kegel", den sie bei Auftritten auch heute noch tanzen, erzählt Wolfgang Herrmann (59), der den Tanzkreis leitet. „Jetzt haben wir etwa 20 verschiedene Tänze drauf, darunter auch den Radetzky-Marsch, die Polka, Line Dance, den Tampet – und außerdem etliche Schunkel- und Volkslieder, auf hoch und platt sowie witzige Sketche“, erzählt er. Das alles zeigen die Mitglieder des Tanzkreises, die zwischen 40 und 77 Jahre alt sind, bei ihren Auftritten auf Dorffesten, bei Festen der Volkssolidarität oder des Grimmener Wasserturms. Sie waren schon in vielen Orten des Landkreises zu Gast, auch auf Familienfeiern, goldenen und silbernen Hochzeiten, runden Geburtstagen.

Damit die Auftritte rund und fehlerlos laufen, treffen sich die Tänzer jede Woche, alle Mitglieder vierzehntäglich. Das schweißt zusammen. Der Tanzkreis ist mittlerweile eine große Gemeinschaft. Alle verbringen gern die Zeit miteinander, der Spaß steht an erster Stelle. Und sie wünschen sich Verstärkung. Männer sind gefragt, am besten aber Paare. Wer sich für das Tanzen interessiert, ist herzlich willkommen. Besondere Voraussetzungen seien nicht erforderlich, außer dem Wunsch, sich einzubringen. Gefragt sei außerdem ein Instrumentalist, Akkordeon- oder Keyboardspieler, der Wilhelm Baumunk zur Seitestehen könnte.

Ostsee-Zeitung - Christine Drabsch

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